Low-Code Solutions übernehmen den Software-Markt #1

Low-Code Solutions übernehmen den Software-Markt #1

Nach Schätzungen von Gartner werden bis 2024 65 % aller Anwendungen mit Low-Code Solutions umgesetzt werden. Laut dieser Studie sind bis dahin fast alle Mitarbeiter ohne IT-Unterstützung in der Lage, mit Low Code Entwicklungs-Tools Ihre benötigten Anwendungen selbst zu erstellen. 

Praxis-Check 

Die Zahlen sind beeindruckend. Wenn fast 2/3 aller Anwendungen mit Low-Code Lösungen durch Endanwender selbst erstellt werden, dann brechen für Software-Entwickler harte Zeiten an.  

Wenn wir dann noch die Prognosen heranziehen, wie viele Arbeitsplätze bis 2024 durch Bots, künstliche Intelligenz und Robotic Process Automation abgelöst werden, erscheint es fast sicher, dass ein erheblicher Teil der Anwender, die eigentlich Software machen könnten, schon durch Bots ersetzt wurden.  

Mit künstlicher Intelligenz und geeigneten No-Code und Low-Code Solutions lösen sich in naher Zukunft also mindestens die Hälfte aller Probleme, die heute durch IT-Abteilungen und Software-Entwickler verursacht werden. 

Hört sich toll an. Manchmal aber beginnen schlüssige Logik-Ketten einfach mit einer falschen Annahme.  

Herausforderungen bei der Erstellung von Custom Solutions

Ich habe keine offiziell belegten Statistiken vorliegen. Aber 35 Jahre Software-Praxis mit Beteiligung oder Leitung von mehr als 650 Projekten hinterlassen auch einen Eindruck. 

Ich lehne mich nun weit aus dem Fenster und behaupte: “Die Komplexität in der Erstellung von Software liegt nicht im Entwicklungs-Werkzeug begründet.”

Low Code Solutions folgen auch dem Software-Entwicklungsprozess
Auch Low-Code Solutions folgen den Design-Prinzipien der klassischen Software-Entwicklung

In gut organisierten Softwareprojekten liegt der tatsächliche Anteil an Entwicklung oft bei erschreckend geringen 15-20% des Projekts. 

Sofern dieser Teil mit No-Code oder Low-Code Solutions umgesetzt werden kann, gewinnt man leider auch nur in diesem Bereich.  

Den Wirkpunkt von No-Code und Low-Code finden Sie im Schaubild unter Punkt 6.  

Einsatzgebiete guter No-Code oder Low-Code Solutions 

No- und Low-Code Solutions können aber durchaus starke Helfer und Beschleuniger sein. 

Low Code deutet schon an, dass dort über die automatische Erstellung von Anwendungen durchaus auch die Entwicklung durch Poweruser oder auch Entwickler vorgesehen oder möglich ist. 

Für Fachanwender werden durch No-Code Solutions wirklich Möglichkeiten geschaffen, einfache Prozesse mit einfachen Datenmodellen und einfachen Berechtigungs-Strukturen mit standardisierten Oberflächen geschaffen.  Mit dem BPA App Builder sind sogar komplette Business Apps wie CRM, QM oder PM möglich.

Low-Code Plattformen mit offenen Schnittstellen eröffnen für Entwickler neue Möglichkeiten, schnelle Prototypen für standardisierte Themen umzusetzen und durch Entwicklung die Grenzen der Lösungen auszuweiten.  

Ein No-Code und Low-Code Lösungsvergleich aus unserer Praxis 

Wir haben in den letzten 15 Jahren diverse Tools getestet und setzen einige davon auch heute aktiv ein. In Szenarien, in denen die Werkzeuge geeignet sind, zeichnen sich die Lösungen insbesondere auch dadurch aus, dass sich Test-Szenarien auf funktionale Tests reduzieren.  

Nicht funktionale Tests entfallen, da Fehler nur in den durch No- oder Low-Code Umgebungen bereitgestellten Möglichkeiten anfallen können. Diese Aussage setzt aber voraus, dass Entwicklung im Live-System durchgeführt wird.  

In größeren Unternehmen ist es eher wahrscheinlich, dass selbst No- und Low-Code Solutions Staging-Umgebungen durchlaufen müssen. Bereits hier beginnen dann der DevOps-Prozess und die Nähe zu “richtigem Software-Engineering“ mit aller Komplexität (siehe auch: “Wo Software Engineering beginnt” im nächsten Post). 

Systemvergleich Low-Code Solution Builders

Im Folgenden sehen Sie 3 No- bzw. Low-Code Solutions, die geeignet sind, um Business Anwendungen zu erstellen 

EigenschaftenBPA App Builder BPA App Builder Power Apps 
System-Umgebung SharePoint, O365SharePoint, O365SharePoint, O365
No- oder Low-Code No-Code Low-CodeLow-Code
ZielgruppePower-User, SharePoint Experten Power-User, SharePoint Experten, 
Entwickler 
Power-User, SharePoint Experten, 
Entwickler 
Erste Schritte EinfachEinfachEinfach
Erweiterte Funktionen EinfachMittelMittel bis Anspruchsvoll 
UI-Design-Optionen Stark eingeschränkteingeschränkteingeschränkt
Integration mit 3rd Party Apps Über SharePoint / O365 Über SharePoint / O365 / APIWenig Einschränkungen 
Anwendungsgebiet Standardisierte Business Apps (QM, CRM, PM)Einfache und komplexe Business Apps Einfache und komplexe Business Apps. Portale mit limitierten Design-Möglichkeiten 

Die 3 hier aufgeführten Plattformen sind sehr unterschiedlich, haben aber dennoch umfassende Überschneidungen in den Einsatz-Szenarien.  

Um eine geeignete Plattform auszuwählen lohnt sich deshalb die gezielte Analyse der Anwendungs-Szenarien, der zu erreichenden Zielgruppen und der verfügbaren Anwendungs-Ersteller.  

No-Code und Low-Code ist nicht unbedingt günstig 

Im TCO-Vergleich (Total Cost of Ownership) sind professionell entwickelte Software-Lösungen nicht selten kostengünstiger als No-Code oder Low-Code Solutions.  

Die Amortisation von No- und Low-Code Solutions erfolgt in aller Regel eher über die Menge an Anwendungen, die für eine ähnlich große Benutzergruppe bereitgestellt wird.  

Sind Anwendungen nicht wirklich banal, stoßen Power User schnell an Ihre Grenzen. So erzeugte Fehler in den Anwendungskonzepten sind oft nicht umkehrbar und werden schnell teuer.  

Darüber hinaus sind initiale Plattformkosten oder laufende Lizenzkosten pro User oft der schwerwiegendere Kostenfaktor im Vergleich zum Entwicklungsaufwand für adäquate Custom Solutions.  

Insbesondere Herausforderungen in der Governance von solchen Lösungen beschäftigen IT-Verantwortliche schon seit Jahrzehnten.

Welcher Ansatz für Ihr Unternehmen oder für konkrete Vorhaben der geeignete ist muss Fallspezifisch untersucht und entschieden werden.  

Fazit 

No- und Low-Code Solutions haben einen festen Platz im Markt. Dass Sie den Markt übernehmen oder dass die Zahlen der Gartner Studie tatsächlich so eintreffen bezweifle ich.  

Ich glaube jedoch dran, dass es Microsoft in den nächsten 4-5 Jahren gelingen wird, über Microsoft 365, Office 365 und Dynamics 365 implizit die Power Platform Technologie bei allen Kunden auszurollen.  

Theoretisch könnte dann jeder Low-Code Solutions entwickeln. Wieviel % das dann tatsächlich praktisch machen ist sicher auch abhängig von der Landeskultur. In den USA eher mehr als in Europa.